Förderverein Kulturlandschaft Schwalm e.V. Förderverein Kulturlandschaft Schwalm e.V.

Baumgeflüster

 

Still – Hört ihr‘s wispern,
hört ihr‘s raunen?
Die Blätter flüstern in den Zweigen
und Staunen breitet sich aus
über‘s ganze Land,
denn bald schon
wird das nächste Baumgeflüster bekannt.
Dann kommen wieder Menschen
von nah und fern,
die alle die Natur so gern
genießen, würdigen und Ehr‘ bekunden.
So wird alsbald
der nächste stolze Baum gefunden...

 Isak

2018 - Baum 16  - Foto: Jürgen Gemmerich


Unter dem Titel "Baumgeflüster" veranstaltet der Förderverein Kulturlandschaft Schwalm in lockerer Folge und in exklusiver Atmosphäre literarische Abende unter freiem Himmel. Mit den Lesungen unter den solitären Bäumen soll auf die besondere landschaftliche Bedeutung solcher, früher häufig bei Pausen in der Feldarbeit aufgesuchten Bäume aufmerksam gemacht werden.
 

 

9. Baumgeflüster am Samstag, den 28.09.2019

Baumgeflüster mit dem Knüllgebirgsverein bei Niedergrenzebach

Das neunte Baumgeflüster war ein besonderes Erlebnis:

  • Besondere Texte, die Pflichtlektüre sein sollten für alle die sich mit Umweltschutz im weitesten Sinne beschäftigen;
  • ein besonderer Vortrag von Otto Kulka, der sich - zumindest äußerlich - nicht von den unsicheren Witterungsbedingungen beängstigen ließ und trotz kühlem Wind und mehrfach, aber zum Glück nur kurzzeitig einsetzendem Regen unbeirrt die Zuhörerschaft im Bann der Texte hielt;
  • ein besonderes Kulissenschauspiel welches im Rücken des Vortragenden in eine Vielfalt immer wieder neuer Regenfronten von Westen Kurs auf den Lesungsort nahm und an den das Schwalmbecken umgrenzenden Höhenzügen mehrfach mit dichten Niederschlagsvorhängen Besorgnis über ein jähes Ende der Lesung aufkommen ließ, aber sich über "der Schwalm"  immer wieder freundlich lückig zeigte und scheinwerferartige Lichtbänder in die Landschaft und mal den Baum der Schwalm, mal die Biogasanlage, mal Heckenbänder, mal die Silhouette von Ziegenhain in Szene setzte oder ab und an auch die wärmenden Sonnenstrahlen aus blauen Löchern in der sich ständig verändernden Wolkendecke in die Szenerie des Baumgeflüsters eintauchen ließ;
  • und ein besonderes Publikum allemal, welches trotz nicht gerade idealer Bedingungen zunächst ausharrte und später Begeisterung über das außergewöhnliche Erlebnis in und mit der Landschaft zeigte

    Das Foto des vortragenden Otto Kukla bei Regentropfen und Gegenlicht faßt die einzigartige Situation und Stimmung perfekt zusammen.
     

2019 - 2019-09-28-baumgefluester-otto-kukla_0016_2019-09-28_15-59-45 - Jürgen Gemmerich

Ebenso perfekt vermochte es die HNA-Redakteurin, Regina Ziegler-Dörhöfer, die durch die Mitwirkung des Knüllgebirgsvereins, vertreten durch Frau Orf und Herrn Kunze, sowie des Schwälmer Naturschutz-Urgesteins, Jürgen Holland-Letz, vermittelten Fakten zur Geschichte des Baumstandortes zusammenzufassen. Daher soll der HNA-Beitrag vom 02.10.2019 nachfolgend in vollem Wortlaut dokumentiert sein. Lediglich eine kleine Korrektur ist notwendig: Frau Orf klärte uns darüber auf, daß der Knüllgebirgsverein für den Stein zur Erinnerung an den ehemaligen Vorsitzenden verantwortlich zeichne während die Pflanzung der Linde wohl durch die Stadt Schwalmstadt veranlaßt wurde.

Und nun der Bericht von Regina Ziegler-Dörhöfer:

Lesung in stürmischer Zeit

Otto Kukla trägt Texte an der Gedächtnislinde vor


Niedergrenzebach – Stürmische Böen und einige Regentropfen peitschten den Besuchern des neunten Baumgeflüsters unter der Gedenklinde Karl-Heinz Kern – langjähriger Vorsitzender des Knüllgebirgsvereins (KGV) – um die Ohren. Nichtsdestotrotz lauschten 20 Kulturfreunde den Worten des Schauspielers und Regisseurs Otto Kukla, der inmitten der Natur von Fliegenmaden, Speck- und Aaskäfern und einem toten Maulwurf las.

Kukla hatte Zeilen aus den „Erinnerungen eines Insektenforschers“ von Jean-Henri Fabre ausgewählt. Fabre war kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen worden, doch kam es wegen des Krieges zu keiner Verleihung mehr.
 

2019 - 2019-09-28-baumgefluester-otto-kukla_0010_2019-09-28_15-53-16 - Jürgen Gemmerich


Der Ort der Gedenklinde war auch schon Schauplatz von örtlichen Wirrungen, stand am Standort bis zum Ende der 1990er Jahre doch eine mächtige Linde. „Ihr Stamm war hohl und Spaziergänger nutzten den Hohlraum für ihren Abfall“, erinnerte Gisela Orf vom Knüllgebirgsverein Ziegenhain, der als Pate für die Lesung fungierte. Letztendlich wurde die alte Linde gar angezündet. „Das Anzünden von hohlen Bäumen war eine gängige Unart. Bei den Germanen waren solche Bäume noch Heiligtümer und Gerichtsbäume. Ich habe mich für eine neue Linde stark gemacht und wurde dafür sogar in einem anonymen Schreiben bedroht“, berichtete Jürgen Holland-Letz aus Niedergrenzebach, der den anonymen Brief aus dem Jahr 1997 sogar aufgehoben hatte und daraus zitierte. Die Bezeichnung „Ökosack“ gehörte demnach zu den noch harmlosen Titulierungen des Schreibens. Holland-Letz und Baumpate Karl-Heinz Kern waren übrigens als Lehrer der Melanchthonschule Steinatal Kollegen gewesen. Heinrich Kunze, ebenfalls aktives Mitglied im Knüllgebirgsverein, steuerte ein Gedicht zum Beisammen sein bei, liebt er doch selbst als Wanderführer die Natur und all ihre Besonderheiten sehr. So wurde die noch junge Winterlinde Schauplatz des einzigen Baumgeflüsters des Fördervereins Kulturlandschaft Schwalm in diesem Jahr.
 

2019 - 2019-09-28-baumgefluester-otto-kukla_0004_2019-09-28_15-25-19 - Jürgen Gemmerich


Otto Kukla (61) lebt zusammen mit der Schauspielerin Bettina Hauenschild im Wasserschloss Nassenerfurth („Hirschgarten“). Kukla stand an vielen Theatern auf der Bühne auf und wirkte unter anderem in Margarete von Trottas Film „Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ mit. Er ist aber auch Regisseur und Bühnenbildner. Beide sind im Kulturnetzwerk Landrosinen engagiert.

Texte: Regina Ziegler-Dörhöfer, Jörg Haafke
Fotos: Mario Bechtel

 

 

8. Baumgeflüster am Samstag, den 15.9.2018

Märchenhaftes Baumgeflüster bei Römersberg

Eiche von ungeahnter Lebenskraft

Mit Leichtigkeit und Anmut gelang es der Märchenerzählerin Monika Mosburger aus Reddehausen an Spindel und Spinnrad den Faden aus dem Flachs und die Aufmerksamkeit der Besucher in die Märchenwelt ein zu spinnen. Sogar zu Fuß und per Rad waren aus den umliegenden Dörfern etwa 25 Menschen gekommen, um ihren Baumriesen vor der Haustür in außergewöhnlicher Inszenierung zu erleben.
 

8 Baumgeflüster-Römersberg - 2018-09-15 Foto Johannes Biskamp a
Unter der weit ausladenden Drillings-Eiche bei Römersberg versammelten sich
ca. 25 Zuhörerinnen und Zuhörer

Statt von braven Mädchenfiguren erzählte Monika Mosburger nicht nur von mächtigen Heldinnen für deren Gunst sich viele Männer den Kopf abschlagen ließen. Sie überraschte auch mit einer ursprünglichen Fassung des Rumpelstilzchen, die mit einer selbstbewussteren Frauenrolle aufwartet, aber von den Brüdern Grimm verworfen wurde. So zog sie die Zuhörerinnen mit weiteren weniger vertrauten Märchen und lebendiger Sprache in ihren Bann.
Nachbarn aus Römersberg, Zimmersrode, Niederurff und Nassenerfurth sowie weit angereiste treue Freunde des Baumgeflüsters aus der Schwalm konnten es sich trotz kühler Witterung auf Strohballen gemütlich machen. Diese landschaftsangepasste "Bestuhlung" hatte die Familie Betker bereit gestellt, angeliefert und auch wieder abtransportiert. Dem Römersberger Frank Käufler war der markante Baumriese schon als Kind bekannte und konnte von Kletterpartien in dessen weit ausladenden Wuchs berichten. Heute bewirtschaftet er eine angrenzende Ackerfläche, die er auch als Parkmöglichkeit für das Ereignis zur Verfügung stellte. Zudem ließ er es sich nicht nehmen das Baumgeflüster auf seinem Acker willkommen zu heißen, den umliegenden Landschaftsraum zu erläutern und den von Frau Mosburger mitgebrachten Leinsamen symbolisch als Vorbote der dort im nächsten Jahr geplanten Blühflächen auszusäen.
 

8 Baumgeflüster-Römersberg, Monika Mosburger 2018-09-15 Foto Johannes Biskamp a
Die Märchenerzählerin Monika Mosburger zog die Zuhörerinnen und Zuhörer
mit lebendigem Vortrag in den Bann der Märchen

Die Darbietung des achten, vom Förderverein Kulturlandschaft Schwalm e.V. ausgerichteten Baumgeflüsters verschaffte den zumeist ortsansässigen Zuhörerinnen eine neue Wahrnehmung der landschaftlichen Reize ihres außergewöhnlichen Baumsolitärs südlich der Ortslage Römersberg. Der Vereinsvorsitzende Jörg Haafke erklärte das „Auswärtsspiel“ des Fördervereins Kulturlandschaft als Beitrag zum Landrosinen-Atelier-Rundgang, der in der alten Pfarrei im benachbarten Niederurff eine Gemeinschaftsausstellung präsentiert und noch bis zum 23.9. zahlreiche Veranstaltungsangebote bereit hält.
Wie Mosburgers Märchenfiguren muss wohl auch der Eiche Gewaltsames widerfahren sein. Bei näherer Betrachtung erwies sich der nach einem Foto als Zwilling verkannte Baum nicht nur als Drilling, sondern zeigten sich die drei zwischen 2,50 und 3,00 m Stammumfang aufweisenden Stämme deutlich aus einem Urstamm entwachsen. Somit war der Drillingsgeburt vermutlich vor 200 bis 250 Jahren eine Fällung vorausgegangen. Aufgrund des beachtlichen Umfanges von 5,50 m in einem Meter Höhe dürfte der Baum ein Gesamtalter von deutlich über 400 Jahren haben. So wandelte das Baumgeflüster vom 15. September bisher Erfahrenes von Märchen und Landschaft in neue Erkenntnisse.

Text: Margitta Braun
Fotos: Johannes Biskamp

 

 

7. Baumgeflüster am Samstag, den 11.8.2018

Nachlese
Baumgeflüster unter der “Esels-Eiche” bei Wiera


Eine Gedankenreise zu Natur und Zeitgeist mit Respekt, Neugier und Zweifeln

Im Schatten weitausladender Kronenäster der gut 250jährigen Stiel-Eiche ließen sich am vergangenen Samstag etwa 50 Teilnehmer des 7. Baumgeflüsters auf Landschaft und eine hintergründige Lesung an der Gemarkungsgrenze zwischen Wiera und Wasenberg ein. Auf rustikaler Strohballenbestuhlung sitzend und den Blick in die weite Landschaft über das Gilserberger Hochland zum Burgwald gerichtet sorgte angenehmes Sonnen-Sommerwetter und leichter, erfrischender Wind für fast ideale Bedingungen. Allein dem vom roten Plüschsessel Vortragenden verdarb der Wind ein wenig den Hall seiner Worte.
 

Bild1-_MG_4439-2018 kl-Roswitha Bechtel-7. Baumgeflüster -Stieleiche zwischen Wasenberg und Wiera
In der Lesungspause ließen sich die Teilnehmer von Isak auch zu Bewegungsübungen animieren.


Isak, der als "Wichtelpapa" bekannte Autor und Maler vom Dörnberg im Habichtswald hatte jedenfalls seine Mühe den Gedanken seiner überwiegend eigenen Texte genügend Gehör zu verschaffen. Die Vielfalt seiner Wahrnehmungs- und Gedankenwelt von Erscheinungen in Natur und Landschaft dürfte dennoch alle Teilnehmer beeindruckt und sicherlich animiert haben, in Zukunft genauer hinzuschauen, ob sich in einem Apfelbaum nicht vielleicht doch ein Drache versteckt und ob nicht aus dem Morgennebel neben urigen Baumgestalten nicht tatsächlich Wichtel, Elfen und Zauberzwerge auftauchen.

Isak verführte seine Zuhörerschaft in eine Gedankenwelt von Märchen, Parabeln und Grotesken, die wiederum vor der Haustür eines Jeden hätten sein können, also immer greifbar und stets präsent. Mit dem Gespräch zweier Eicheln über das Wunder ihres Werdens zur majestätischen Eiche ließ er eingangs Ehrfurcht vor der Natur entstehen. Er traf natürlich auch die Märchenfiguren der Gebrüder Grimm und erklärte den "Zweigesichtbaum" mit seiner lachenden und seiner strengen Seite. Isak verortete sich mit seinen Wahrnehmungen der Welt zweifelsfrei als Vertrauter der Natur in allen ihren Erscheinungsformen.
 

Bild2-_MG_4351-2018 kl-Roswitha Bechtel-7. Baumgeflüster -Stieleiche zwischen Wasenberg und Wiera
Isak zog seine etwa 50 Zuhörer unter der Esels-Eiche in den Bann seiner naturverbundenen Gedankenwelt.


Kein Wunder, dass der Autor den heutigen Errungenschaften eher misstraut oder auch deren mitunter skurrile Entwicklungen bemerkt. So fiel ihm in zeitkritischen Beiträgen auf, dass heutzutage wohl das Smartphone im Vergleich die größte Zahl an Streicheleinheiten erfährt und er um diese Fragwürdigkeit zu enttarnen ironisch von "Streichelphonen" spricht. Dabei entlarvte er die neuen Medien als virtuelles Zeiträubergesindel und Trickbetrug. Solche Minutengauner und Stundediebe seien ursächlich für das Verschwinden der Zeit.
 Hinter der Gedankenmauer, so der Titel des Baumgeflüsters, konnten die Teilnehmer ihre eigene Phantasie angesprochen und ihren eigenen zweiten Blick auf die Dinge geschärft fühlen.

Für die Initiatoren des Baumgeflüsters war es neben der gelungenen Lesung unter den solitären Bäumen darüber hinaus interessant zu erfahren, dass die Esels-Eiche auch heute noch im Alltag ihre Funktion als Treffpunkt und als Pausenort während der Feldarbeit besitzt wie der Bewirtschafter der angrenzenden Ackerflächen, Ralf Jungermann, und auch der frühere Jagdpächter Georg Prüssing berichteten.
 

Bild3-_MG_4396-2018 kl-Roswitha Bechtel-7. Baumgeflüster -Stieleiche zwischen Wasenberg und Wiera
Der Autor und Maler Isak bei der Lesung des 7. Baumgeflüsters


Schließlich konnten sich alle Teilnehmer in der Lebensweisheit wiederfinden, die der Namensgeber der
Esels-Eiche, Herr Prüssing, bei dem Schriftsteller Max Bewer gefunden und aus Anlass der besonderen Begebenheit unter seinem Lieblingsbaum rezitiert hat:

"Und kannst du auch nicht ahnen, wer einst in seinem Schatten tanzt, bedenke Mensch: es haben deine Ahnen, eh' sie dich kannten, auch für dich gepflanzt!"

Landwirt Jungermann sagte spontan zu, seinen Beitrag zu einem noch langen Leben der Stiel-Eiche zu leisten und mit dem Pflug in Zukunft ein paar Meter weiter entfernt von deren 3,50 m umfassenden Stamm zu halten.
 

16. August 2018
Text: Jörg Haafke
Fotos: Roswitha Bechtel
 

 

Zum 6. Baumgeflüster

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Zum 4. Baumgeflüster

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Zum 2. Baumgeflüster

Zum 1. Baumgeflüster
 

2018 - P1090588 - Jürgen Gemmerich

 

 

Wie schön ist‘s doch ein Baum zu sein,
im Wald oder am Wiesenrain,
mit Blattwerk, Ästen, kraftvoll groß
und auf den Wurzeln samtig Moos,
den Wand‘rer lädt zum rasten ein,
um sich mit der Natur zu freu‘n.
Ein Schläfchen auch in aller Ruh‘
mit meinem Schatten deck‘ ich ihn zu…

An meiner Früchte reichen Gaben
mögen sich Menschen, wie Tiere laben.
So lebt sich‘s wohl in der Natur,
einträchtig auf der göttlichen Spur…

Doch jäh wird die Idyll‘ gestört
und was das Herz der Natur empört,
stapft ein finst‘rer Gesell‘ durch den Wald
und macht just vor dem Baume halt.
Mit Beil und Säge, man glaubt es kaum,
zerstört er des Baumes lebendigen Traum.
Reißt ihn aus dem Leben in seinem Wahn,
ohne Mitgefühl und jeglicher Scham…

Oh Mensch, was tust du der Natur,
die du ja selbst, beacht‘ es nur,
verbunden ist Alles, ein göttlich Geflecht
und jede Tat, ob gut oder schlecht,
sieht das Auge Gottes und er spricht Recht…
 Isak

 

 

 

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